Wie lebt Kassel mit der documenta? Ein Film

Wie lebt Kassel mit der documenta? Ein Film

Es fing an mit den Basaltstelen, die Joseph Beuys für seine Aktion 7000 Eichen zur »documenta 7« 1982 im Stadtgebiet aufstellen ließ. Eine landete im Heinz’schen Garten und brachte die Töchter des Hauses dazu, einen Dokufilm über Kassel zu drehen.


Die Welt zu Gast in Kassel

Die documenta in Kassel gilt als die größte Ausstellung zeitgenössischer Kunst weltweit. Wenn das Museum der einhundert Tage alle fünf Jahre die Stadt im Hessischen heimsucht, sind die Bewohner Kassels eindeutig in der Minderheit: Knapp 200.000 Bewohner sind gemeldet, für die letzte documenta (13) wurden mehr als 800.000 Besucher verzeichnet. Wie lebt es sich wohl in einer Stadt, die sich in Abständen dem kollektiven Kunstwahnsinn zu ergeben scheint und dies seit 1999 auch offiziell als documenta-Stadt im Namen trägt?


Leben mit Kunst

Zwei Kasseler, die den Hype um die Kunst von Kindesbeinen an miterlebt haben, widmen dieser Frage aktuell eine Dokumentation. Susanne Heinz und ihre Schwester Katrin waren sechs bzw. drei Jahre alt, als die documenta das erste Mal in ihrem Leben in Erscheinung trat: in Form einer jener 7000 Basaltstelen, die Joseph Beuys 1982 für sein documenta-Projekt Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung vor das Fridericianum kippen ließ. Diese sollten dazu verwandt werden, gepaart mit einer Eiche, im Stadtgebiet gepflanzt zu werden. Just im elterlichen Garten sollte eine davon Platz finden. Zu deren Richtfest erschien die Presse, entsprechend bedeutend müsse der Vorgang ja dann sein, urteilten die Schwestern.


Arts Home is my Kassel - 100 Tage documenta-Stadt

Und heute? Geht es in ihrem Film mit Titel Arts Home is My Kassel - 100 Tage documenta-Stadt u.a. ebenfalls um einen Baum: den bronzenen Guss von des italienischen Bildhauers Giuseppe Penone. 2011 als erstes Kunstwerk für die d(13) in den Karlsauen aufgestellt, wurde er zu Anfang kontrovers aufgenommen. Als er jedoch abgeräumt werden sollten, fanden sich zahlungskräftige Bürger, die ihn in Kassel halten wollten und es taten.

Insgesamt folgt er Doku-Streifen den Vorbereitungen und Abbauten zur dOCUMENTA (13) und lässt in diesem Zuge nicht Kuratoren Kunst erklären, sondern skizziert den Alltag einer multilingual geforderten Taxifahrerin, einer Studentin, die Führungen am Fließband macht, und des Architekten, der für das gesamte Präsentationskonzept verantwortlich zeichnete (und daran zweifelte, der großen Aufgabe mit kleinem Team gewachsen zu sein) sowie einiger Kunstlaien, die auch vor der Kamera nicht in 'art political correctness' verfallen und durchaus beherzt zugreifen bei Exponaten, was Kunstpilger im Kasseler Mekka sonst tunlichst vermeiden.

Der Film hatte Mitte November im Rahmen des Kasseler Dokfestivals Premiere. Mehr Informationen dazu über die Projekt-Website ➹www.arts-home-is-my-kassel.info.


Abbildung:
Tacita Dean bei der Vorbereitung ihrer Arbeit für die dOCUMENTA (13) im ehemaligen Finanzamtsgebäude, Spohrstr. 7
Foto: Courtesy of Gebrueder Beets Filproduktion / www.arts-home-is-my-kassel.info
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20.11.13

 

Ausstellungshinweis

10.6.17 - 17.9.17

Kassel,
Deutschland

documenta-Halle

»documenta 14«

documenta-Halle
Du-Ry-Str.
34117 Kassel
T. +49 561 8045441
www.documentahalle.de