KQ-DAILY Ausstellungstipps
Noch bis 2. Dez. 12, Tübingen
Nicola Samorì. Fegefeuer
Ein Alter Meister von 35 Jahren: Die Kunsthalle Tübingen überlässt ihre Wände derzeit dem Italiener Nicola Samorì (*1977), der barocke Werke im Chiaroscuro von Caravaggio malt, um sie danach mit Schnitten und Verwischungen destruktiv zu überarbeiten.
Motivische Anregungen findet Nicola Samorì ebenso wie die Stilistik für seine Leinwandarbeiten in kanonischen Epochen der Kunstgeschichte: Er malt in altmeisterlich barockem Impetus Heilige, sakrale Historien, aber auch Porträts und Landschaften. In erster Instanz entstehen so Arbeiten, die ihre Nähe zu Holbein, Michelangelo oder Caravaggio offensiv zur Schau tragen. Dies aber ist nur das Material, das Samorì für seine Arbeiten braucht, denn dann nimmt er Skalpell, Spachtel o.Ä. in die Hand, um die angelegten Sujets geradezu schmerzhaft zu überarbeiten: Kaum getrocknete Farbe wird verwischt, Konturen zerstört, Oberflächen aufgekratzt, die Leinwand gar im Stile Lucio Fontanas mit Schnitten versehen. Mit dieser Art von destruktiven Kompositionen entfernt er die Arbeiten aus dem Dunstkreis des Alten und holt sie über zeitgenössische Methoden in die Gegenwart – er lässt sie, nicht ganz zufällig analog zum Titel, Höllenqualen wie im »Fegefeuer« durchleben.
Die Kunsthalle zeigt in der ersten musealen Ausstellung Nicola Samorìs neben rund 60 malerischen auch fünf skulpturale Arbeiten. Zum Vergleich werden der Auswahl einige barocke Werke gegenübergestellt, die die technischen Fertigkeiten des Italieners u.a. mit denen eines Jusepe de Ribera (1591-1652) in Dialog setzen.
Abbildung:
Nicola Samorì
Buen Retiro, 2010
Öl auf Leinwand, 200 x 150 cm
AmC Coppola Collection
© Nicola Samorì, 2012
Ausstellungshinweise
22.9.12 - 2.12.12
Tübingen,
Deutschland
Kunsthalle Tübingen
»Nicola Samorì: Fegefeuer«
Philosophenweg 76
72076 Tübingen
T. +49 7071 96910
F. +49 7071 969133
ed.negnibeut@ellahtsnuk
www.kunsthalle-tuebingen.de
21.7.12 - 4.11.12
Salzburg,
Österreich
Residenzgalerie Salzburg
»Einmal Unterwelt und retour. Die Erfindung des Jenseits«
Die Unterwelt als Reich der Toten beflügelte schon immer die Vorstellung der Lebenden und prägt bis heute das künstlerische Schaffen. In seinen vielen Facetten wird das Thema von der Antike bis zur Gegenwart mit Werken von William Blake, Marc Chagall, James Ensor, Jan Fabre, Anselm Feuerbach, Johann Heinrich Füssli, Luca Giordano, Oskar Kokoschka, Hans Makart, Marc Quinn, Daniel Richter, Roelant Savery, u. v. a. beleuchtet. Zu sehen sind mehr als 100 Gemälde, Grafiken, Skulpturen, Installationen sowie Film und Neue Medien.
Residenzgalerie SalzburgResidenzplatz 1
5010 Salzburg
T. +43 662 840451-0
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